Auszüge von Dr. Dr. Manfred Spitzer

Positive Emotionen spielen beim Lernen eine besonders wichtige Rolle. Emotionen versehen ja die Welt mit Bedeutung. Wir merken durch die positiven Emotionen in uns „ He, das interessant, das ist wichtig“ und Wichtiges lernt unser Gehirn besser. Evolutionsbiologisch ist das völlig klar, dass sich Lernen für uns lohnt, wer mehr weiß, kommt besser durch. Nun werden sie sagen, wir haben doch auch was gelernt, obwohl nicht alles pure Freude war. Recht haben sie!!!

Wir können auch völlig emotionsfrei lernen, das ist kein Problem, einfach nur ein langsameres Lernen. Ein Beispiel dafür ist das Beispiel Laufenlernen. Ähnlich gemütlich läuft es beim Sprechenlernen. Das sind langsame Prozesse, aber meistens erfolgreich. Der Durchschnitt aus unserem gleichmäßigen Erlebnisstrom bewirkt die Veränderung im Gehirn und dann können wir bestimmte Dinge. Das, woran sie sich aus ihrer Schulzeit noch erinnern hat allerdings in der Regel mit Emotionen zu tun, positiven oder negativen.

Zuerst fallen uns häufig die schrecklichen oder peinlichen Momente ein. Wir können nämlich durchaus auch mit Angst lernen. Das Problem ist, dass wir dabei die Angst mitlernen. Wir vermeiden dann ähnliche Situationen. Uns begleitet in einer ähnlich herausfordernden Situation immer auch die Angst. Wenn man die Angst mitlernt, ist man nicht mehr kreativ, weil beides sich ausschließt. Aber manchmal gibt es eben – und hoffentlich häufig- in unserem Schulalltag die besonderen Momente. Wir haben eine Kuh melken dürfen, dabei etwas über die Verarbeitung der Rohmilch erfahren und das Endprodukt kosten dürfen oder gar die Kuh gleich selbst. So merken wir uns Einzelheiten. Das sind die Pflöcke, an denen sich dann allgemeine Erkenntnisse festmachen. Das muss man natürlich in der Schule nicht ständig haben, das hält ja keiner aus, aber es braucht diese positiven emotionalen Einzelerlebnisse.

Früher hielt man Begeisterung, überhaupt diese ganzen Gefühlswallungen für völlig unnötig im schulischen Rahmen, also für das Lernen eher schadend. Heute wissen wir sehr viel mehr über diese Dinge, wie Neugier und Begeisterung und wir wissen wie bedeutend sie sind. Motivation, Neugier, das „Vorglühen“ für das Lernen kann man nicht anlegen, es ist ja in jedem Menschen da, aber man kann es kaputtmachen. Dazu gibt es inzwischen sehr viel langfristig angelegte Studien. Unter anderem, die 2006 im Science Magazin veröffentlichte Studie.

Herausgefunden hat man Folgendes: Wenn ich dem Lernenden vermittele, das kannst du nicht, dann glaubt er das auch, langfristig kann er das tatsächlich nicht. Wenn er durch die Lernatmosphäre und Angebote das Gefühl hat, das bekomme ich hin, dann bekommt er das auch hin. Wenn er dieses Gefühl oft genug hat, dann wird er automatisch besser. Bei negativen Emotionen werde ich sehr eng und genau, aber nicht kreativ. Bei positiven Emotionen werde ich offen und weit, nicht genau, aber kreativ. Und das ist es doch, worum es in der Zukunft gehen wird.

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